Montag, 18. Februar 2013
Review: Die Tribute von Panem - The Hunger Games
Kampf und Utopie einer Kopie?
Aufstand gegen totalitäre Regime, Kinder die aufgrund dessen zum Kämpfen gezwungen sind und Medien, die dieses genüsslich ausschlachten, klingen nach sehr interessantem Filmstoff. Der Streifen basiert auf einer sehr bekannten, und mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Romanvorlage. Ich selbst habe diese nie gelesen, kann also nur die Meinung zu dem Film wiedergeben. Der Grund, warum ich diesen Film hier rezensiere, ist aber nicht die Buchtrilogie, sondern weil der Film mich an ein anderes Werk erinnert.
Story
Zu Beginn wird in einer Texttafel sehr kurz auf die politischen Verhältnisse eingegangen, bevor einem in einer kurzen Jagdsequenz die Hauptdarstellerin Katniss (Jennifer Lawrence) und die Familie vorgestellt werden. Nun folgt eine aus den Trailern bekannte emotionale Szene, in dem aus ihrem Distrikt 12, ein weiblicher und männlicher Rekrut für die alljährlichen Hungerspiele ausgewählt werden. Um ihre Schwester vor diesem Schicksal zu bewahren, meldet sich Katniss freiwillig. Zusammen mit Peeta (Josh Hutherson) wird sie nun in das Kapitol gebracht, die über allen 12 Distrikten steht, und diese Kämpfe in Panem organisiert. Zusammen mit einem Team, bestehend aus einem Trainer namens Haymitch Abernathy (Woody Harrelson), Cenna, einem Stylisten (Lenny Kravitz) und, ich nenne sie mal "Lottofee des Districts Effie Trinket" (Elizabeth Banks), werden sie fortan die Zeit verbringen, und auf die Kämpfe vorbereitet. Nebenbei müssen die beiden Kandidaten sich noch in verschiedenen Shows beweisen, um ihre Popularität zu steigern. Danach geht es direkt zu dem Kampf in denen es laut Reglement nur einen Sieger geben darf.
Kritik
Die Schauspieler erledigen in dem Film ihre Rolle alle sehr solide. Warum jetzt die beiden Hauptdarsteller mit Auszeichnungen geehrt werden, verstehe ich nicht ganz. Okay, es sind vielleicht nur MTV Awards und Teen Choice Awards, aber es sind Preise. Jennifer spielt solide, man nimmt ihr die Rolle als Katniss ab. Im Jahr 2013 ist sie außerdem für ihre Rolle in Silver Linings als Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert. Wenn sie sie nicht allzu viele Fehler in der Rollenauswahl begeht, dann steht eine große Karriere an. Josh Hutcherson ist meiner Meinung jedoch fehlbesetzt. Er schafft es nicht in den wichtigen Szenen seiner Figur Emotionen und Gefühle einzuhauchen, so dass einige Szenen im Film nicht glaubwürdig rüberkommen. Loben möchte ich jedoch drei weitere männliche Nebendarsteller Woody Harrelson, Lenny Kravitz und Stanley Tucci. Ersterer spielt dem Alkohol zugetanen Ex- Hunger Spiele Sieger und Trainer sehr überzeugend. Er verdient mehr Aufmerksamkeit da er neben Blockbusterfilmen auch in anspruchsvollen Filmen gute Leistungen zeigt. Die Überraschung des Films ist für mich aber der Musiker Lenny Kravitz. Die Rolle des nachdenklichen Stylisten füllt überraschend gut aus. Stanley Tucci spielt die schleimige Rolle des Show Moderators Ceasar Flickerman wirklich schön überzeichnet und erinnert an andere nervige Shows und TV- Formate.
So gut die Nebendarsteller überzeugen, so enttäuscht bin ich dann doch von der Geschichte an sich. Ein Buch perfekt zu verfilmen ist in den meisten Fällen unglaublich kompliziert, da es schwierig ist den wichtigen Inhalt zu extrahieren und kinogerecht auf die Leinwand zu adaptieren. Oftmals setzt man lieber auf schöne Effekte als auf die Geschichte. Auch bei diesem Film bin ich mit einigen Szenen nicht recht glücklich gewesen. Das der Fokus der Handlung auf Katniss und Peeta liegt ist klar, dennoch hätte ich mir gewünscht auch etwas über die anderen Teilnehmer zu erfahren. Außer der Freundschaft zwischen dem kleinen Mädchen aus Distrikt 11 und der Hauptdarstellerin erfährt man wenig über andere Kinder. Zumindest scheint es mit Cato, dem Jungen aus Distrikt 11, Fuchsgesicht und dem Ex Champion Haymitch Abernathy genug Alternativen zu geben. Ebenso erfährt man sehr wenig über die anderen Distrikte. Gerne hätte ich erfahren, wie das Verhältnis untereinander ist, was die Besonderheiten der jeweiligen Distrikte sind und ob es zum Beispiel auch untereinander Probleme gibt. Die Informationen hierzu waren doch relativ dürftig. Das könnte sich in den folgenden Teilen ändern. Dadurch, dass man sich für die Hauptgeschichte nur eine Stunde Zeit nimmt verpasst man die Welt die einem gezeigt wird zu füllen. Alles wirkt gehetzt. Als positiv empfinde ich das lange Finale, die titelgebenden Hungerspiele. Das ist für so einen auf den Mainstream abzielenden Film sehr löblich. Als Zuschauer sitzt man gebannt vor dem Fernseher und verfolgt wie sich die Heldin schlägt. Hier folgt nun ein Kritikpunkt der dem Film durchaus vorgeworfen werden könnte. Dieser Endkampf ist ein psychisch- körperlich belastendes und auch ein von Gewalt strotzendes Ereignis. Dennoch sieht man außer einen kreischenden Hauptdarstellerin zu wenig davon. Eine blutigere Kampfchoreographie cuttet man sehr stark, einen Genickbruch eines Jungen lässt man im Gegenzug unkommentiert gesehen. Ich möchte auf keinen Fall mehr Gewaltorgien gutheißen, die Hungerspiele sind aber dazu da um die Distrikte zu bändigen und das reiche Volk zu unterhalten. Das es die Kinder, Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen scheinbar kaum berührt ist nicht anzunehmen. Wie in einem Abenteuerfilm tun sich Gruppen zusammen und gehen auf die Jagd als wäre das alltäglich. Da wäre mehr drin.
Hungerspiele in der Realität?
Nun kommen wir zu dem Hauptgrund warum die Tribute von Panem so erfolgreich und beliebt bei Kindern und Jugendlichen sind. Sie treffen den Nerv der Zeit perfekt. Die Beispiele unten sind nur meine Ideen und nicht in aller Ausführlichkeit dargestellt.
Der Kampf in der Hunger Spielen: Diesen Fight kann man durchaus auch auf die Scharmützel bei einer Bewerbung übertragen. Man versucht einen Platz gegen viele Andere zu bekommen. Gerade bei Universitäten ist die Platzanzahl oft sehr gering, so dass oft diejenigen gewählt haben welche die besten Vorrausetzungen mitbringen. Auch bei den Hungerspielen gewinnt derjenige welcher das beste Paket hat.
Der Kampf gegen das Kapitol/ die Eltern: Kinder können sich möglicherweise besser mit den Hauptfiguren identifizieren, da sie für die Entwicklung ihrer eigenen Identität auch oft mit den Eltern streiten. Da diese ja oft alles besser wissen und vorschreiben was zu tun ist.
Der Kampf der lieben Medien: Die Darstellung hat der Film gut getroffen. Die Teilnehmer müssen sich die Gunst der Zuschauer erarbeiten um Vorteile zu erreichen. Ganz wie bei gängigen TV- Formaten. Wer sich nicht gut vermarkten lässt, der geht.
Es gibt noch andere Querverweise wie Gladiatoren, Politik etc. Allein diese Anspielungen sind es wert eine gute Wertung zu zücken. Naja, zumindest wenn es Battle Royale nicht gäbe.
Battle Royale, die wahren Hungerspiele
Wie schon in der Einleitung angedeutet kamen mir während des Schauens viele Gedanken an den Film Battle Royale. Die Gemeinsamkeiten sind dann doch sehr gravierend. Ich möchte hier nur einige aufzählen.
In beiden Filmen agiert ein totalitärer Staat im Hintergrund. Panem ist an die USA angelehnt, die Welt in Battle Royale an Asien. Auch hier gibt es Kämpfe untereinander bei dem es nur einen Sieger geben darf. Im Gegensatz zu dem US Verschnitt wird in Japan niemand trainiert. Es gibt viele Charaktere die 1 zu 1 übernommen wurden. Fuchsgesicht kommt fast gleich in Battle Royale vor. Ein Junge aus Distrikt 1 (Cato) und das kleine Mädchen aus Distrikt 11 sind auch so ähnlich im Japanischen Orginal vorhanden. Das Ende der beiden Filme ist gleich.
Es gibt noch ein paar Punkte mehr die man kritisieren kann. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Romane und der Film viele Inhalte übernommen haben.
Fazit
Eigentlich gehört dieser Streifen zu den besseren Literaturverfilmungen. Die vielen Verweise und Interpretationsmöglichkeiten sind toll. Dafür fehlen kleinere Details bei Welt und Charakteren. Am schlimmsten jedoch wiegt der Vergleich mit Battle Royale, der an einigen Stellen den Film wie ein Plagiat wirken lässt. Das hinterlässt bei dem tollen Szenario, welches den Film eigentlich abhebt einen sehr faden Beigeschmack hinterlääst. Es ist im Grunde ein Battle Royale dieser Zeit, der den Nerv der Zuschauer trifft. Mehr als
5/10
sind für diese "softe und seichte" Variante nicht drin, da das Vorwissen zu Battle Royale negativ einfließen muss und mich beim Schauen beeinträchtigt hatte. Fans der Romane und Sci Fi / Utopie Szenarien ist der Film dennoch mit Vorsicht zu empfehlen.
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Hey ihr, coole Idee mit dem Filmkritik Blog :) Ich habe Tribute von Panem gesehen fand ihn interessant, mir gings aber auch so dass ich mehr wissen wollte über die anderen Distrikte etc und habe mir kurzerhand die Bücher zugelegt und seitdem kann ich nur jedem die Bücher empfehlen. Alleine die Beziehung von Peeta und Katniss rückt in ein anderes licht im Buch. Die Bücher sind absolut genial, ich habe alle 3, falls ihr sie also mal ausleihen wollt :)
AntwortenLöschenDanke für die Rückmeldung. Der Film verschwendet etwas sein Potenzial. Und nimmt sich einige Inhalte quasi 1:1 aus einem anderem Werk raus. Dennoch ist er für eine Literaturverfilmung stark und beinhaltet wie du sagst interessante Themen.
LöschenDas die Bücher detaillierter sind, ist gut bestätigt zu wissen.
Falls du dem Thema zugetan bist und an dem von mir erwähnten Battle Royale Interesse hast
Das Buch heißt:
Koushun Takami- Battle Royale und kostet knapp 10 Euro